700 Jahre St.Petri Döhren

1320 - 2020

Die erste urkundliche Erwähnung unserer Gemeinde stammt aus dem Jahr 1320. Somit wird seit 700 Jahren in Döhren das Evangelium von Jesus Christus verkündet, wird gebetet, gesungen, geglaubt und gehofft.
Freuen Sie sich mit uns schon jetzt auf ein buntes Festprogramm:

  • 13. Juni 2021, 14 Uhr - Jubiläumsgottesdienst
  • Vortrag zur Geschichte der Döhrener Kirchegemeinde
  • Konzert mit dem Mittelalter-Ensemble Nimmerselich
  • 19./20. Juni 2021 - Mittelalterliches Kulturfest rund um die Kirche mit Händlern, Handwerkern, Gauklern, Tavernen, Musik und Spiel.
Facebookseite vom Veranstalter des Mittelalterfestes
Quelle: Heiko Preller

Grußwort zum 700. Jubiläum von Landesbischof Ralf Meister 14. Juni 2020

An diesem Sonntag hätten wir miteinander Jubiläum gefeiert. Doch auch wenn Sie nun zunächst in kleinerem Rahmen Ihr Jubiläum begehen, schauen Sie zurück auf eine besondere Geschichte. Mit 700 Jahren ist St. Petri eine der ältesten Gemeinden im heutigen Hannover. 1320 wird erstmals ein „Kerklen to Dornde“ erwähnt. Und schon 1529 wird im Pfarrbezirk Döhren, der damals zum Fürstentum Lüneburg gehört, lutherisch gepredigt. Zu der Zeit müssen sich die Anhänger der Reformation in der Stadt Hannover noch im Geheimen vor den Mauern treffen.

Wer sich heute auf die Suche nach Spuren der alten St. Petri-Kirche macht, muss genau hinsehen. Aber es gibt sie: Am unteren Teil des Turms findet man noch das alte Bruchsteinmauerwerk. Das war der Kriegsgeneration wichtig. Zur gleichen Zeit, als die heutige St. Petri-Kirche gebaut wurde, entstanden in ganz Deutschland so viele Kirchen wie seit dem Mittelalter nicht mehr. Unter dem Namen „Notkirchen“ ist das Modulsystem von Otto Bartning bekannt geworden, das es möglich machte, nach nur einem halben Jahr Bauzeit die neue Kirche einzuweihen. Aber diese Kirchen waren nicht nur ein Notbehelf. Sie nahmen das Material und die Erinnerungen der Vergangenheit auf und wiesen zugleich in die Zukunft. In dieser Kirche wuchsen die Döhrener, die Zugezogenen, die Flüchtlinge und Vertriebenen zu einer Gemeinde zusammen. Geradezu prophetisch wirkt die Zeltform des Kirchenschiffes auf mich heute, wenn wir über neue, flexiblere, virtuellere Formen von Kirche diskutieren: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“, heißt es im Hebräerbrief des Paulus.

Wenn ich an diesem Sonntag mit Ihnen Gottesdienst gefeiert hätte, dann hätte ich mit Ihnen über einen Predigttext nachgedacht, der einen ganz anderen Ton hat als die Briefe des Paulus. Wo Paulus die Gemeinden immer wieder ermahnt, Streit schlichtet, eigene Fehler und Schwächen eingesteht, da zeichnet die Apostelgeschichte ein ideales Bild: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.“ (Apg 4,32) Zu schön, um wahr zu sein? In Döhren gibt es Männer, Frauen und Kinder mit ganz unterschiedlichen Herzensangelegenheiten: Stille und Meditation, Theater und Musik, Bibel und Politik. In St. Petri wissen Sie: Es gibt nicht „die Senioren“ und „die, die mitten im Leben stehen“, sondern Menschen mit ganz individuellen Interessen und Bedürfnissen, ob in der ersten oder zweiten Lebenshälfte. Diese Vielfalt findet Platz unter dem Zeltdach von St. Petri. Generationenvielfalt, Ideenvielfalt – mögen Sie diesen Schatz Ihrer Gemeinde bewahren und fördern können.

Ich gratuliere Ihnen von Herzen zum Jubiläum und wünsche Ihnen, dass Sie die Feierlichkeiten zu einem Zeitpunkt nachholen können, wenn wir wieder mit mehr Zuversicht in die Welt blicken dürfen.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Ralf Meister
Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers